Projektreise nach Molcad‘ 2018

Unzählbare Erinnerungen nach 2000 km und 300 Stunden

In der Geschichte des Gomel-Projektes gab es einen Rekord: Das enorme Interesse an dem Austausch und Hilfsprojekt war überwältigend. Für die Fahrt an unsere Partnerschule in Molcad‘ , Belarus, gab es dieses Jahr fast doppelt so viele Anmeldungen wie angebotene Plätze, sodass das Los entscheiden musste. Seit Mai bereiteten sich 21 Schülerinnen und Schüler aus der 8., 9. und 10. Klasse der Gutenberg-Schule auf die Projektreise vor; darunter fuhr die große Mehrheit (17 Schüler/innen) das erste Mal nach Belarus.

Erwartungen

Was erwarteten sich die Teilnehmenden von der knapp zweiwöchigen Reise (05. – 17.10.2018)? Alle wünschten sich Spaß und spannende Erlebnisse und neue Freunde. Neugierig waren zudem einige Reisende vor allem auf unbekannte Gerichte und die Räumlichkeiten in dem Schulinternat Molcad‘. Manch eine/r erhoffte sich viel Freizeit, während andere davon ausgingen, sehr beschäftigt zu sein mit Workshops, Arbeitsgemeinschaften und Hausaufgaben aus der Heimat.

1000 km auf Schienen

Am Freitag, den 05. Oktober 2018 war es soweit: Das Abenteuer begann! Die erste Herausforderung war das Einladen und Verstauen der enormen Gepäcktürme in den Kabinen des Zuges. Neben den eigenen Taschen hatten die Mitfahrer/innen Sachspenden wie z.B. Winterkleidung und Schulmaterial sowie Süßigkeiten mitgebracht. So blieb wegen all der Koffer und Taschen kaum Platz, um während der 16-stündigen Fahrt die Schlafliegen nutzen zu können. Allerdings waren die meisten jungen Projektteilnehmer/innen ohnehin so aufgeregt, dass sie kein Auge hätten schließen können. Erst nach den weiteren sportlichen Gepäck-Verladungen am Bahnhof in Baranovichi und im Internat in Molcad‘ war auch der/ die letzte so geschafft, dass die Müdigkeit die Aufregung besiegte.

Programm

Die ersten beiden Tage am Wochenende konnten die Schüler/innen sich in Ruhe eingewöhnen und organisatorische Absprachen mit den erwachsenen Begleitern treffen. Nach dem Wochenende begann die intensive Arbeit in verschiedenen Workshops: In den Zirkustrainings sowie Rhythmus- Gruppen erarbeiteten die Berliner Schüler/innen gemeinsam mit den Kindern und Jugendlichen des Internats an acht Vormittagen abwechslungsreiche Programmpunkte für die große Show am Ende des Aufenthalts.

Die Nachmittage verbrachten wir mit verschiedenen kulturellen, künstlerischen und sportlichen Programmpunkten. Neben einem ausgedehnten Ausflug in die unmittelbare Umgebung des Dorfes durfte natürlich auch eine Exkursion nicht fehlen. Dieses Mal nahmen wir eine längere Fahrt auf uns und fuhren gemeinsam mit Mädchen und Jungen der 9. Klasse des Internats in die belarussische Hauptstadt Minsk. Der dortige Besuch in der Nationalbibliothek beeindruckte viele: Die architektonisch besondere Gebäudekonstruktion in Form eines Diamanten beherbergt über 9 Millionen Medien in verschiedenen Sprachen. Für die Organisation des Bücherverleihs aus dem riesigen Bestand gibt es eine eigene „Bücher-Eisenbahn“, der wir beim Arbeiten zusehen konnten. Die Fahrstuhlfahrt auf das Dach des 23. Stockwerkes der Nationalbibliothek bot zudem einen herrlichen Blick über die ganze Hauptstadt in 74 m Höhe.

Von den Gästen für die Gastgeber

Ein weiterer Höhepunkt und Erfolg des Aufenthaltes war der „Tag der Berliner Gäste“. Die Gutenberger Schüler/innen kochten ein gelungenes Drei-Gänge-Menü für fast 200 Personen! Am Nachmittag führten sie ihre vorbereiteten Arbeitsgemeinschaften wie z.B. „Kinderschminken“, „Party-Spiele“ und „Freundschaftsbänder“ durch und verbrachten den Abend mit einer Disko in der Aula. Am Ende des Tages hatte jedes Mädchen und jeder Junge des Internats gemäß dem Motto des Gomel-Projektes ein breites Lächeln im Gesicht und trug mindestens ein Andenken in Form eines Tattoos, Armbandes oder süßen Preises bei sich.

Bühnenshow

Nach jenem ereignisbunten Tag blieb nun kaum noch Zeit für Verschnaufpausen, denn es stand die unmittelbare Vorbereitung der Zirkusshow auf dem Programm. Vorherige Mühe und Muskelkater wichen am Tag der Aufführung dem Lampenfieber – doch das ließen sich die jungen Künstler/innen nicht anmerken. Souverän und unterhaltsam präsentierten sie ihr neu erworbenes Können in den Genres Springseil, Trapez, Seiltanz, Akrobatik, Trampolin, Balance-Kugel, Stelzenlauf, Clownerie und in „Stomp“-inspirierten Rhythmus-Szenen.

Weitere Bilder von der Bühnenshow bitte hier!

Eindrücke und Abschied

In die Freude über die gelungene Bühnenshow mischten sich alsbald Wehmut und Abschiedsschmerz. Dem anstehenden „Auf Wiedersehen“ versuchten einige Schüler/innen mit verschiedenen Taktiken zu entgehen. Manche probten, wie sie ihre neu gewonnen Freunde in Koffern heimlich mit auf die Rückreise nehmen könnten. Andere verhandelten, ob sie nicht einfach in Molcad‘ bleiben und erst beim Besuch der Partnerschule im März 2019 nach Berlin zurückkommen könnten.
Die Abschiedstränen zeigten: Die Erwartung, neue Freunde zu finden, wurde definitiv erfüllt. Über jegliche sprachliche Verständigungsschwierigkeiten hinweg hat jede/r Mitreisende freundschaftliche Kontakte geknüpft. Ebenso fühlten sich alle reich beschenkt an neuen, unvergesslichen Eindrücken.

Ausblick 2019

Die Vorbereitungen für das Wiedersehen im Frühjahr 2019 in Berlin haben längst begonnen. Jede/r Interessierte kann sich auf verschiedenen Wegen für die Projektbegegnung im 20. Jubiläumsjahr engagieren:

  • beim Lichtermarkt am Verkaufsstand der Gutenbergschule (02.12.2018) oder mit Spenden wie z.B. selbst gebackenen Plätzchen für den Stand
  • mit einem Auftritt auf dem Benefiz- und Frühlingskonzert (22.03.2019), als Helfer/in für den Spesenverkauf oder dem Besuch des Konzertes
  • als Gastgeber für das Familienwochende während des Besuchs der belarussischen Gäste (Freitagnachmittag, 29.03. – Sonntagnachmittag, 31.03.2019)
  • an den Tagen der offenen Tür (04.12.2018 sowie 16.01.2019) für die Betreuung des Gomel- Raumes (vor allem für Schüler/innen, die bereits an einer Projektreise teilgenommen haben)
  • bei der Werbe-Tour durch die neuen 7. Klassen im Dezember 2018/ Januar 2019 (für Schüler/innen, die bereits an einer Projektreise teilgenommen haben)

Danksagung

Allen Beteiligten der Fahrt, die an der Realisierung der Projektreise mitgewirkt haben, sei herzlich gedankt! Der Dank gilt sowohl den Schüler/innen, die mit ihrer Offenheit, ihrer Begeisterung, einem guten Teamgeist, mit ihrem Engagement und ihrer Hilfsbereitschaft einen enormen Beitrag zur Fortführung der Schulpartnerschaft der Gutenberg-Schule und des Sanatoriumsinternats Molcad‘ geleistet haben. Ebenso danken wir herzlich dem Kinder- und Jugendzirkus Cabuwazi für die enorm bereichernde Kooperation. Außerdem kann man die Bereitschaft der Eltern, die die Fahrt begleitet und wesentlich unterstützt haben, nicht genug wertschätzen. Nicht zuletzt möchten wir all jenen aus dem Gomel-Team danken, die die Projektreise halfen, vorzubereiten, sei es durch das Sortieren von Sachspenden oder Stellen von Förderanträgen u.a. Wir danken außerdem allen (Sach-)Spendern/ Spenderinnen sowie den fördernden Institutionen der Projektfahrt: